Bauzinsen über vier Prozent – Lohnt sich Kaufen noch?

Bauzinsen über vier Prozent – Lohnt sich Kaufen noch?

Die Bauzinsen haben 2023 die Vier-Prozent-Marke überschritten – ein Niveau, das viele Kaufinteressenten verunsichert. Noch vor zwei Jahren lagen die Zinsen für zehnjährige Baudarlehen bei unter einem Prozent. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in zehn aufeinander folgenden Schritten auf 4,5 Prozent angehoben, um die Inflation im Euroraum zu bekämpfen. Die Auswirkungen sind im Immobilienmarkt deutlich spürbar.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Dimension: Bei einem Darlehen von 300.000 Euro und einem Zinssatz von vier Prozent zahlen Sie monatlich rund 1.000 Euro allein an Zinsen. Bei einem Prozent Zinsen waren es nur 250 Euro. Die monatliche Belastung hat sich also vervierfacht – bei gleichem Kaufpreis. Kein Wunder, dass viele Kaufinteressenten abwarten oder ihre Preisvorstellungen deutlich nach unten korrigieren.

Allerdings sind auch die Kaufpreise im gleichen Zeitraum spürbar gesunken. In vielen Regionen Deutschlands liegen die Preise fünf bis zehn Prozent unter den Höchstständen von 2022. Diese Preiskorrektur kompensiert die höheren Zinsen teilweise. Zudem bieten die aktuellen Marktbedingungen mehr Verhandlungsspielraum: Verkäufer sind heute deutlich kompromissbereiter als noch vor zwei Jahren.

Historisch betrachtet sind vier Prozent Bauzinsen keineswegs ungewöhnlich. In den 1990er und 2000er Jahren lagen die Zinsen regelmäßig bei sechs bis acht Prozent, und es wurde trotzdem erfolgreich Wohneigentum erworben. Die Niedrigzinsphase der letzten Jahre war eher die Ausnahme als die Regel. Wer eine Immobilie zur Eigennutzung sucht und die monatliche Rate solide kalkuliert, sollte sich von den aktuellen Zinsen nicht grundsätzlich abschrecken lassen.