Wohnungsbaukrise: Warum immer weniger gebaut wird

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist 2023 erneut drastisch gesunken. Statt der politisch angestrebten 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr wurden nur rund 294.000 Einheiten fertiggestellt. Die Gründe für die Baukrise sind vielfältig – und sie betreffen den gesamten Immobilienmarkt.
An erster Stelle stehen die gestiegenen Finanzierungskosten. Die hohen Bauzinsen haben viele Bauprojekte unwirtschaftlich gemacht. Bauträger können Neubauwohnungen zu Preisen, die sich mit den aktuellen Zinsen rechnen, schlicht nicht mehr kostendeckend errichten. Hinzu kommen explodierende Baukosten: Material, Handwerkerleistungen und Grundstückspreise sind in den letzten Jahren massiv gestiegen.
Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel im Baugewerbe. Tausende Stellen sind unbesetzt, was die Bauzeiten verlängert und die Kosten weiter in die Höhe treibt. Auch die zunehmende Bürokratie bei Baugenehmigungsverfahren bremst den Neubau: Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergehen im Schnitt 26 Monate, bei Geschosswohnungen sogar 34 Monate.
Die Konsequenzen sind gravierend: In Deutschland fehlen aktuell rund 550.000 Wohnungen. Besonders in Ballungsgebieten ist die Lage angespannt. Die Mieten steigen weiter, weil das Angebot die Nachfrage nicht decken kann. Experten warnen, dass bis 2030 etwa 2,56 Millionen neue Wohnungen benötigt werden – rund 320.000 pro Jahr.
Für Eigentümer von Bestandsimmobilien hat die Baukrise auch positive Seiten: Da weniger Neubauten auf den Markt kommen, bleibt die Nachfrage nach Bestandsobjekten stabil. Gut erhaltene und energetisch sanierte Immobilien in attraktiven Lagen behalten ihren Wert und sind bei Käufern weiterhin gefragt.